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opening
Isidora Kristic
Sat. 10.05.2014
6pm


Matthias Krinzinger

opening
Jonas Feferle
Sat 22.11.2014
6 pm

open
23.11. - 7.12.14
Thursday-Saturday
17:00-20:00

ORPHEUS '14

1.01. - 31.05. Isidora Krstic
1.06. - 31.08. Matthias Krinzinger
1.09. - 30.11. Jonas Feferle

 

 

 

Der ansteigende Weg wird durch eine lautlose Stille zurückgelegt, der steil, dunkle, dicht umhüllt von düsterem Nebel ist. Und sie waren nicht mehr weit von dem Rand der Oberwelt entfernt - hier wandte der Liebende seine Augen zu ihr, weil er fürchtete, dass sie ermatten würde, und aus Begierde sie zu sehen, und sogleich sank jene zurück, und die Arme ausstreckend und sich bemühend zu ergreifen und ergriffen zu werden, bekam der Unglückliche nur die zurückweichende Luft zu fassen. 

Ovid - Metamorphosen (Orpheus und Eurydice)

 

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Der konzeptuelle Hintergrund von ORPHEUS:
Im Sinne der mittlerweile üblich gewordenen Projektarbeit hat sich eine Arbeitsweise eingebürgert, die eine permanente (Über)Produktion erfordert. Ob eine künstlerische Arbeit gezeigt oder gar verkauft werden kann, ist im Voraus in der Regel nicht absehbar. Dank der zahlreichen open calls und der Notwendigkeit, durch stetige Produktion präsent zu sein, werden Kunstwerke “auf Vorrat” produziert – diese Arbeit bleibt jedoch meist unentlohnt. Sich keinem übergeordneten Thema, etwa im Rahmen einer kuratierten Gruppenausstellung, widmen zu müssen und dennoch zu wissen, dass die Arbeit mit Sicherheit gezeigt wird, kommt mittlerweile nur noch sehr selten vor. Darüber hinaus ist es aus Mangel an Ressourcen üblich geworden, lediglich schriftliche Skizzen für Arbeiten zu entwerfen, die Arbeit selbst jedoch nicht produzieren zu können. Diese Skizzen werden dann bei einer Reihe von open-call-Ausschreibungen eingereicht, mitunter ohne jemals umgesetzt zu werden. Das Projekt ORPHEUS bietet Künstler_innen Raum und finanzielle Unterstützung an, um eine thematisch freie Produktion zu ermöglichen. Der Fokus liegt hierbei auf der Produktion/Kommunikation, die sich erst vor Ort und mit dem Raum entwickelt. Die übliche Praxis, dass ein bereits fertiges Kunstwerk erst einen geeigneten Raum finden muss, soll damit hinterfragt werden. ORPHEUS unterläuft damit ein Stück weit die prekären Arbeitsverhältnissen von nicht-kommerziellen Kunsträumen und Künstler_innen.
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mit Unterstützung von

1.01. - 31.05. Isidora Krstic

 

 

1.01. - 31.05
BILDETAGE meets Isidora Krstic

Isidora Krstic - website / CV  

Ausstellungsansichten
(c) Isidora Krstic

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Interview mitIsidora Krstic am 16.5.2014

Am Ende – Spuren eines Künstlerparadieses

Dem Idealbild vom völlig freien Schaffen, dem Traum vom autarken Dasein im Atelier ist Isidora Krstic recht nah gekommen – eine beunruhigende Erfahrung. Was tun, wenn uns plötzlich einige der wesentlichen Unfreiheiten genommen werden, an die wir uns klammern, jene Grenzen, die unser Denken wohltuend in Bahnen lenken? In der Literatur ist diese Angst als Plattitüde, als Horror “vor dem weissen Blatt” wohl bekannt. Keine Vorgaben, keine Grenzen, keine Fluchtmöglichkeit vor der geistigen Leere. Diesen Schock, der uns erschüttert, wenn wir schwankend weil haltlos der unendlichen Weite der Möglichkeiten ausgeliefert sind, hat Isidora für ihre Arbeit produktiv gemacht. Sehr produktiv sogar, wie die Schau zeigt, die den (vorläufigen?) Endpunkt ihres Orpheus-Beitrages darstellt.

Zu sehen sind Reminiszenzen ihres Paradieses, das zugleich ihre Hölle war. Gerade jene Freiheiten, die wir, das Team der Bildetage, Isidora gewährten, die ultimativ, allumfassend waren, nicht auch nur von der geringsten Vorgabe beschränkt, ließen in ihr – wie sie uns gegenüber äußerte – die Angst aufkommen, wir könnten von ihr und ihrer Arbeit enttäuscht sein. Die süße Schwerelosigkeit des unbegrenzten Handlungsraums wurde ihr so zur bitteren Vorahnung eines dräunenden Unheils, und es war uns nicht gegeben, sie davon zu überzeugen, dass der Unglücksfall unmöglich eintreten kann.
Ein weiterer Gemeinplatz, jedes Paradies könne jederzeit zur Hölle werden, beschreibt denn auch genau den Übergang, an dem Isidoras Arbeit angesiedelt ist.

Von Außen betrachtet: Gleich eine kleine Pflanze, palmenähnlich, aber doch, klar, eine Topfpflanze, ein Stück vom Sehnsuchtsort Natur, allerdings domestiziert für das Kleinod bürgerlicher Existenz, das die Grabstätte unserer Utopien und hochtrabenden Träumen ist. Dann – wir tauchen tiefer ein in Isidoras Kosmos – die schrillen Neonfarben der Fäden ihrer Installation, ein “Eyecatcher”, ein Muntermacher; diese Farben haben jedoch, wie billiger Kaugummi, ihre grellen Reize schnell verprasst. Was bleibt, ist die Angst um die eigene Gesundheit: lieber nicht zu intensiv mit den recht unnatürlich wirkenden Farbstoffen in Berührung kommen. Zuletzt, ganz hinten, noch vor der Bar, die versöhnliche Sedierung verspricht, kippt die Präsentation endlich in das Szenario unserer dunklen Vorahnung: Tod, Zerstörung, Katastrophe, Krieg, gesehen aus der technoiden Vogelperspektive der Drohnen, die uns mittlerweile erschreckend geläufig ist.

Jedem Sonntag sitzt der Montag schon im Nacken (eine letzte Plattitüde): Isidora Krstics Arbeit changiert ganz in diesem Sinn zwischen Glück und Unglück, Froh- und Trübsinn, Freude und Trauer, Schönheit und Schrecken. Und uns, dem Team der Bildetage, bleibt die Einsicht über die Janusköpfigkeit unseres (vermeintlichen?) Großmutes.

 

 

Ausstellungseröffnung, 10.05.2014












Workshop, 05.04.2014 in der BILDETAGE

Unter dem Motto "If the urgency of an issue can be measured by the ferocity of the debates surrounding it, then the issue of 'research in the arts' is an urgent one"1 haben wir am 5.4. Student_innen der Art&Science Klasse der Angewandten zu einem eintägigen Workshop eingeladen. Im Zentrum stand die Frage, ob "art & science"-Programme tatsächlich an einer Schnittstelle zwischen beiden Feldern anzusiedeln sind und ob hinsichtlich dieses Zwischenbereichs eine begriffliche Neudefinition von sowohl von "art" als auch von "science" von Nöten ist. Um innerhalb dieses mittlerweile sehr breiten und teils chaotische geführten Diskurses über eine stabile Basis zu verfügen, wurde im Vorfeld ein Textkorpus zur Verfügungen gestellt (siehe unten), der wiederholt als Ankerpunkt in der Diskussion diente.
Vorweg sei gesagt, dass wir uns, wie zu erwarten, auf keine Definition von "art & science" einigen konnten. Das liegt in der Natur der Sache, da künstlerische und wissenschaftliche Zugänge sehr stark voneinander abweichen. Es traten jedoch viele interessante Fragen bzw. Problemstellungen zu Tage, die stets um die Frage kreisten, ob sich Kunst der Wissenschaft öffnet oder, umgekehrt, Wissenschaft die Kunst zu Zwecken der Visualisierung ihrer Konzepte für sich (wieder)entdeckt. Als Einstieg in die Diskussion diente Henk Borgdorffs Begriffsdefinition von "research in the arts", die er klar unterscheidet zu Recherchen über bzw. für die Kunst: "Art practice qualifies as research when its purpose is to broaden our knowledge and understanding through an original investigation. It begins with questions that are pertinent to the research context and the art world, and employs methods that are appropriate to the study. The process and outcomes of the research are appropriately documented and disseminated to the research community and to the wider public."2 Die nachvollziehbare Sichtbarmachung der Recherche bzw. des Entstehungsprozesses, so kamen wir überein, scheint eines der wesentlichen Merkmale einer "research-basierten" Kunst zu sein. Denn Kunst, die "research" lediglich als Mittel zum Zweck sieht, hat eine deutlich größere Entscheidungsfreiheit darüber, wie viel dieses Entstehungsprozesses sichtbar gemacht wird oder zugunsten anderer Aspekte verborgen bleibt. An der zunehmenden Tendenz, "art&science" Programme an Universitäten in ganz Europa zu etablieren, ist die momentane Entscheidungspraxis der Fördergeldgeber nicht unbeteiligt. Die Notwendigkeit, im Voraus über "Thema" und ästhetische Entscheidungen Auskunft geben zu müssen, steht einer prozessbasierten Kunstproduktion diametral entgegen und forciert eine auf Repräsentation von Konzepten basierte Kunst, die unter anderem im Rahmen von "art&science"-Projekten in Erscheinung tritt.


1Henk Borgdorff, the debate on research in the arts 2006, S. 1
2 Henk Borgdorff, the debate on research in the arts 2006, S. 10

- Belting, Hans (2002) Beyond Iconoclasm. Nam June Paik, the Zen Gaze and the Escape from
Representation, in: Peter Weibel and Bruno Latour (eds.), Iconoclash, Beyond the Image-Wars in Science,
Religion and Art), ZKM and MIT Press, pp. 390-412.
- Borgdorff, Henk (2006) The Debate on Research in the Arts,Sensuous Knowledge 2, National Academy    of the Arts, Bergen
URL: http://www.ips.gu.se/digitalAssets/1322/1322713_the_debate_on_research_in_the_arts.pdf
(26.03.2014)
- Groys, Boris (2012) Art in the Age of Biopolitics: From Artwork to Art Documentation, in: Jones, Amelia (ed.), Perform, Repeat, Record: Live Art in History, intellect, Bristol, p.209 -218.
- Holert, Tom (2011) Artistic Research: Anatomy of an Ascent, in: Texte Zur Kunst, Issue Nr. 82, June 2011, Berlin, p.38 – 64. See table of content: URL: http://www.textezurkunst.de/82/ (26.03.2014)
- Latour, Bruno (2002) What is Iconoclash? or Is there a world beyond the image wars?, in: Peter Weibel and Bruno Latour (eds.), Iconoclash, Beyond the Image-Wars in Science, Religion and Art), ZKM and MIT Press, pp. 14-37.
- Menke, Christoph (2012) REFLECTING/TRANSCENDING / A debate on dOCUMENTA (13) between Christoph Menke, Susanne Leeb, and Sven Beckstette, in: Texte Zur Kunst, Issue Nr. 87, September 2012,Berlin, p.85 – 111.

Links
http://troublingresearch.net/
http://hosting.zkm.de/icon/stories/storyReader$3
http://www.sharenetwork.eu/artistic-research-overview/bibliography
http://www.artnet.de/magazine/elke-bippus-hg-kunst-des-forschens-praxis-eines-asthetischen-denkens/
http://www.wissenschaft-als-kunst.de/en/das_projekt/

(photos (c) Isidora Kristic)